SIGUSA redet mit Karin Beier

Shownotes

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Die Apenburger Landbäckerei findest du hier:
https://www.biobaeckerei-apenburg.de/


SIGUSA findest du hier:
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00:00:01: Hallo und herzlich willkommen bei Sigusa.

00:00:03: redet mit.

00:00:04: Ich bin Jan Wagner und rede in diesem Podcast mit Menschen über soziale Innovation, gemeinwohlorientierte Unternehmen und Sachsen-Anhalt.

00:00:14: Wenn du mehr über Sigusa wissen willst, schau doch mal auf Sigusa.de vorbei oder folge Sigunetzwerksachsen-Anhalt bei Instagram beziehungsweise Sigusa bei LinkedIn.

00:00:24: Heute telefoniere ich mit Karin Bayer.

00:00:27: Deshalb ist die Audioqualität übrigens auch nicht perfekt.

00:00:31: Karin hat in der Altmark die erste Bio-Beckerei in Sachsen-Anhalt eröffnet.

00:00:38: Heute, siebenundzwanzig Jahre später, bekommt Karin und ihre Beckerei regelmäßig Preise für ihren Betrieb.

00:00:46: Das liegt ihrer Meinung nach aber nicht daran, dass sie innovativ ist.

00:00:49: Und trotzdem behaupte ich, es ist ihre Arbeit ein gutes Beispiel für soziale Innovation.

00:00:55: Genau in diese Frage starten wir mitten rein ins Gespräch.

00:00:58: Mal sehen zu welchem Schluss ihr kommt.

00:01:01: Viel Freude beim zuhören.

00:01:03: Also ich bin, ich glaube eigentlich, dass ich ihn in euer Profil nicht so wirklich reinpasse.

00:01:09: Also erstens bin ich nicht im engen Sinne innovativ.

00:01:14: Also ich bin wirklich... Also wenn man jemanden nicht innovativ nennen kann, dann mich.

00:01:20: Sondern ich bitte, es hat sich alles ja einfach ergeben aus einem jahrzehntelangen Prozess.

00:01:25: Und dann ist eben die Fragestellungen, die jetzt da angeknüpft waren, die beziehen sich ja eigentlich fast eher auf jemand, der neu gegründet hat oder mit neuen Ideen rangeht.

00:01:35: Ich bin ja kurz vom Rentenalter.

00:01:37: Also insofern weiß ich nicht wirklich, ob ich da so die Partnerin für dieses Gespräch bin.

00:01:44: Dürfen

00:01:44: wir diesen Teil jetzt schon drin lassen, weil ich finde das einen total guten Einstieg eigentlich in die Frage.

00:01:50: Und ich würde sagen, diese ganzen Begrifflichkeiten, diesen Teil der Herausforderungen vor der wir stehen zu sagen so, was beschreiben wir eigentlich mit innovativ, was meinen wir damit?

00:01:59: Und ich würde total gerne jetzt im Gespräch das vielleicht gemeinsam rausfinden und gucken, Kommen wir am Ende des Gesprächs vielleicht dabei raus und sagen stimmt die Karin ist gar nicht innovativ oder ich bin ja jemand der jetzt irgendwie seit so einem Jahr vielleicht intensiver drüber nachdenkt beruflich jetzt bedingt was ist denn innovativ und so?

00:02:18: und Gerade wenn man so sucht dann hat dann auch immer so Bilder im Kopf merk ich so was was innovativ ist.

00:02:25: und ich fand das spannende.

00:02:27: und ein der gründbarm wir oder ich euch ja angefragt habe war dass ich dann so artikel gefunden habe und gemerkt habe das was irgendwie das so beschrieben wird als da denken Leute mal so ein bisschen anders.

00:02:40: Das hat erst mal so gar nicht zu dem optischen Bild gepasst, was ihr noch so nach außen repräsentiert.

00:02:44: Also man findet euch nicht bei Instagram, man findet euch nicht, du bist jetzt nicht bei LinkedIn.

00:02:49: Und gleichzeitig liest man dann von der, dass du den Unternehmerinnenpreis, das war vom Verband der selbstständigen Frauen in Sachsen-Anhalt gewonnen hast, dass ihr die erste Biobäckerei in Sachsen-Anhalt wart nach der Wiedervereinigung.

00:03:06: Also so ganz viele spannende Themen, die Arbeitswoche mit vier Tagen ist etwas, wo man Artikel zu euch findet.

00:03:12: Und ich habe gemerkt, das ist so spannend, dass das so auseinander geht und das zeigt sich jetzt ja auch in deiner Selbstbeschreibung, dass du sagst, wir sind doch gar nicht innovativ.

00:03:20: Da hätte ich total Lust reinzugehen und mal zu gucken, wie hat sich das denn so entwickelt?

00:03:24: Warum wirkt das so nach außen auch so unterschiedlich?

00:03:28: Ich kann mir vorstellen, dass das ganz viel auch mit dir zu tun hat, oder?

00:03:31: Genau, also so kleine Betriebe sind ja immer sehr stark geprägt von der Unternehmerin oder dem Unternehmer und das ist bei uns nicht anders.

00:03:40: Und mir ist einfach diese Welt der sozialen Medien und der großen Weitreiche wirklich einfach sehr fremd.

00:03:54: Ich bin einfach vor Ort mit dem, was ich tue, im Kontakt mit meinen Mitarbeiterinnen, im Kontakt mit meinem Kundenkreis, der eben auch ganz normal in unserer Branche ein regionaler Kundenkreis ist.

00:04:07: Wir sind ja kein globalwirtschaftendes Unternehmen.

00:04:10: Wir sind eine kleine handwerkliche Bäckerei und dieses Setting lebe ich einfach.

00:04:16: und bin eben in der Außenwirkung, was eben so klassisch jetzt aktuell und innovativ ist, also diese klassische PR über soziale Medien, da halte ich mich einfach wirklich ganz zurück.

00:04:29: Es ist ein bisschen ein kätzlerisches Bild von unserer Zeit, hat eben das Phänomen oft eben in der Außenwirkung sehr stark und glänzend zu sein und die Substanz vielleicht wird gar nicht so gepflegt und ich lebe das eher umgekehrt.

00:04:49: Wir haben sehr gute Produkte, wir haben sehr tolle Abläufe, wir haben sehr tollen Service, aber unsere PR nach außen ist wirklich nicht so gut.

00:04:58: Aber lass uns da doch mal vielleicht chronologisch reingehen.

00:05:01: Also du bist ja nicht in Apenburg geboren, wenn ich das richtig gelesen habe, oder?

00:05:07: Nein, ich bin Mainz herinnen.

00:05:09: Ich bin an Mainz geboren.

00:05:11: Mainz bleibt Mainz, wie sie sinkt und lacht, ist meine erste Assoziation aber mit Mainz.

00:05:15: Das ist die erste Assoziation.

00:05:16: Ich bin zur Schule gegangen, direkt neben dem Schloss, wo die großen Sitzungen immer sind.

00:05:22: Unsere Lehrer saßen mit in diesem Gremium da oben.

00:05:25: Das war immer sehr spannend.

00:05:26: Also da war ich sehr nah dran.

00:05:28: Und auch dort studiert, wenn ich es richtig mitbekomme.

00:05:30: Aber du hast angefangen zu studieren und jetzt nicht gerade was Handliches.

00:05:34: Ich

00:05:35: habe Geschichte studiert, Geschichte und Germanistik und bin dann ausgestiegen aus dem Studium und habe eben so den Gegenpol gesucht, nämlich die handwerkliche Arbeit.

00:05:50: Auch damit bin ich nicht besonders originell.

00:05:52: Das war in den westlichen Bundesländern der Achtzigerjahre eine totale Trend.

00:05:59: Das aus den akademischen Berufen oder den akademischen Umfeldern, gerade junge Frauen, sich abgewandt haben, also in den Biolandbau gegangen sind, Tischlereien, Bäckereien, das war ein richtiger Boom.

00:06:14: Also man musste damals wirklich Schlange stehen für eine Lehrstelle in diesen Berufen.

00:06:19: Wahnsinn, was ja heutzutage manchmal für manche, glaube ich, schwer vorstellbar ist.

00:06:23: Lustigeweise kenne ich das auch, dass in meinem Umfeld mehrere Leute ... außen im sehr akademischen, ... ... teils auch sehr ... ... so wirtschaftlich geprägten Umfeld, ... ... dann irgendwie gesagt haben, ... ... ich muss was Handwerkliches machen, ... ... und ich habe mindestens ... ... zwei Menschen in meinem Umfeld, ... ... mit einem näheren, ... ... die tatsächlich jetzt ... ... ein Handwerksbetrieb mittlerweile ... ... im Handwerk gelandet sind, ... ... weil sie sagen, ... ... ich brauch da irgendwie was, ... ... ich musste was Handwerkliches machen, ... ... ich wollte was Handfestes machen, ... ... irgendwie.

00:06:47: mir ist das zu abgehoben gewesen, ... ... mir ist das zu leer geworden, ... ... genau und jetzt irgendwie dann vielleicht ... ... eine Tischlergesellen geworden sind und so.

00:06:57: Deswegen interessant, das war mir gar nicht so bewusst, dass das in den Achtzigern auch war.

00:07:00: Und warum dann aber nach Arpenburg?

00:07:03: Vielleicht kannst du ein bisschen beschreiben, wie Arpenburg ist und wo auch wo Arpenburg ist.

00:07:09: Also Arpenburg ist ganz im Nordwesten von Sachsen-Anhalt, nach Norden und nach Westen hin, relativ nah an der Grenze nach Niedersachsen, ist Kreis statt von einem sehr großen Flächenkreis, dem Altmarkkreis Salzwedel.

00:07:24: Und ich bin hierher gekommen, hierher gelockt worden sozusagen in den neunziger Jahren über die Initiative Ökodorf.

00:07:33: Eine sehr tolle Leuchtturm-Initiative, die sind wirklich innovativ.

00:07:40: In meiner unmittelbaren Nachbarschaft, mit denen war ich in Kontakt, weil ich nicht nur bio backen wollte, sondern weil ich eigentlich auch in ein gemeinschaftliches Projekt einsteigen wollte, eine Gemeinschaft, die irgendwie ökologische und soziale Überschriften hat.

00:07:59: Und da bin ich in Kontakt gekommen mit diesem Ökodorf.

00:08:02: Und die waren in der Zeit wiederum auch auf der Suche nach Mitstreitern, auch nach Menschen, die vor Ort Betrieb gründen.

00:08:09: die also Realitäten schaffen vor Ort.

00:08:13: und die Ideale auf den Boden bringen und haben mich sozusagen hierher gelockt, indem sie mich informiert haben darüber, dass hier in Arpenburg eine Bäckerei zu verpachten war vonseiten der Gemeinde.

00:08:27: Es sind leider in den unmittelbaren Nachwändejahren sehr viele kleine Bäckereien geschlossen worden und dazu gehörte eben die Bäckerei in Arpenburg und es gab einen sehr engagierten Bürgermeister, der sich bemüht hat, die Bäckerei wiederzubeleben.

00:08:45: Aus dem Gedanken heraus, eine Bäckerei ist einfach ein Teil von wichtiger Infrastruktur in einem Ort und hat eben versucht, für seinen Ort einfach verloren gehende und verloren gegangene Infrastruktur zu retten.

00:08:59: Hast du auch in so einer Bio-Bäckerei, die auch selber produziert, die jetzt nicht einfach nur angeliefert bekommt und aufbackt?

00:09:06: Ich weiß gar nicht, ob das in den neunzigern überhaupt schon ein Konzept war.

00:09:08: Hast du auch in so einer Bäckerei gelernt?

00:09:11: Ich habe in der Bio-Bäckerei gelernt und habe dann auch in der Bio-Bäckerei weiter als Gesellenoch gearbeitet.

00:09:16: Also ich habe in meinem ganzen Leben nur Bio gearbeitet.

00:09:19: Deswegen kam für mich gar nichts anderes in Frage und ich kannte auch die ganzen Strukturen.

00:09:25: Und in der Bio-Szene inzwischen hat die sich natürlich sehr, sehr stark verändert und globalisiert und hat damit leider auch Geschäftsgebaren irgendwie übernommen, den konventionellen Gleichen.

00:09:40: Aber der Ursprung von der Bio-Bewegung war wirklich sehr vernetzt, sehr eng, sehr kollegial.

00:09:47: Und aus diesem Geist heraus bin ich eben in die Wirtschaftswelt gestartet.

00:09:52: Als du gesagt hast, du hast im Bio-Betrieb schon gelernt und dann irgendwie wirst du ja schon überlegt haben, wie kann man jetzt bestehen, wenn man nach Arpenburg geht, du hast dann gehört, da gibt es diese Bäckerei zu verpachten, der Bürgermeister hat da Interesse, aber wie du selber sagst, am Ende musst du ja selber einen Betrieb irgendwie führen, du brauchst irgendwie Einnahmen und es wird ja seinen Grund gehabt haben, warum die anderen zugemacht haben, hast du damals irgendwie eine Strategie gehabt, wie du jetzt da wirtschaftlich irgendwie überleben willst oder erfolgreich sein willst sogar?

00:10:22: Also ich bin kein strategischer Mensch und ich war damals einfach jung und naiv und habe wirklich genau genommen nicht durchschaut, wie riskant das Ganze war.

00:10:32: Also die Biobäckereien, die es damals natürlich schon zu Hauf gab, die haben sich natürlich niedergelassen in den Metropolen, in den Zentren, Stuttgart, München, Berlin so, ne?

00:10:48: Aber nicht in Arpenburg.

00:10:50: und ich habe sozusagen versucht, gegenzuhalten, habe gesagt, mein Wunschtraum ist eine Biobäckerei, aber eben im ländlichen Zuschnitt, so eine klassische Landbäckerei und so heißen wir ja auch und habe aber nicht durchschaut, dass das wirklich ein riskantes Unternehmen war, aber es ist aufgegangen.

00:11:06: Ich habe mir einfach über Jahrzehnte einen guten Ruf verschafft und hat mich in ganz kleinen Schritten vorwärts bewegt.

00:11:15: Also es ist kein stark expansiver Betrieb.

00:11:18: Klar, backen wir inzwischen viel mehr als vor inzwischen fast dreißig Jahren bei unserer Eröffnung, aber es hat keine Riesensprünge gemacht.

00:11:26: Wir sind insgesamt einfach sehr lokal und klein geblieben.

00:11:31: Und wir haben tatsächlich durch die Außenwahrnehmung dieser verschiedenen Preise, wir haben ja zahlreiche Auszeichnungen bekommen.

00:11:41: haben wir relativ viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommen hier in der Region, aber das täuscht so ein bisschen drüber hinweg, dass wir einfach echt noch ein kleiner Betrieb sind.

00:11:48: Du sagst gerade guter Ruf.

00:11:49: Ich habe jetzt letztens das Wort gehört von einer Person, die sehr akademisch geprägt ist, jetzt im ländlichen Raum und habe ich es gewesen, meinte, dort schlägt ihr dann das Wort Stadtversift entgegen.

00:12:00: Und ich fand das ein spannender, dachte so spannend, da wird quasi jetzt auch sehr ex, also es ist ja eigentlich sehr reflektiert zu sagen, da geht es jetzt nicht mehr um links, rechts, konservativ, liberal oder sowas, sondern es geht um Stadt und Land und das wird wirklich quasi als explizit als Kampfbegriff, wie sozusagen dieser Person entgegengeschläudert.

00:12:17: Wie kam es, dass du als Wessi, sage ich jetzt mal, mit Geschichts- und Germanistik-Studium hintergrund, klar, dann auch schon wirklich mit Handwerk gearbeitet, mit Bio-Beckerei dann da auf dem Land ankommst.

00:12:29: Wie kam es, dass du da überhaupt angenommen wurdest?

00:12:31: oder musstest du dafür arbeiten, dass du angenommen wurdest?

00:12:34: Also da habe ich jetzt dreißig Jahre fast fünf gearbeitet und habe jetzt tatsächlich, ich bin vor kurzem sechzig geworden, und da war hier ein Come Together Und da habe ich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, so, und jetzt bin ich angekommen.

00:12:47: Wahnsinn.

00:12:47: Das war wirklich ein sehr, also fast auf einer spirituellen Ebene ein Erlebnis.

00:12:53: Das war wirklich sehr berührend.

00:12:56: Ich war tatsächlich, wie schon oben bemerkt, ich war da sehr naiv.

00:13:00: Also mir war gar nicht klar, dass ich sozusagen ins Ausland gehe.

00:13:03: Mir war gar nicht klar, dass ich in einen anderen Kulturraum gehe.

00:13:06: Mir war gar nicht klar, dass es da Polaritäten gibt, dass es da große Befindlichkeit, um das vorsichtig auszudrücken.

00:13:15: Ich bin da wirklich total naiv reingegangen.

00:13:17: Ich glaube, das hat mir sehr geholfen.

00:13:19: Was mir auch sehr geholfen hat, war natürlich, dass ich Mitarbeiterin vor Ort hatte, die mir die Tür geöffnet haben.

00:13:26: Die haben also die Schwelle ganz niedrig gehalten.

00:13:29: standen hinter dem Dresen und so und dann habe ich mir einfach durch das Handwerk ein Ruf verschafft.

00:13:35: Also durch meine guten Produkte habe ich die Menschen sozusagen in meinen Laden bekommen und über einfach persönliche Kontakte in dem Moment, wo man einfach von Auge zu Auge miteinander spricht, dann fallen ja auch Vorurteile, dann gehen ja einfach auch Polaritäten finden wieder zueinander und so.

00:13:57: Ich glaube, das ist das Thema.

00:13:59: Und ich bin ja nun einfach eine gebürtige Rheinländerin, die sind ja nicht aufs Maul gefallen und haben meistens ein offenes Herz und das hat mir einfach auch geholfen.

00:14:08: Und dann würdest du sagen, weil die Qualität wirklich das, was dazu geführt hat, dass die Leute am Ende auch wiedergekommen sind oder weshalb sind Leute, weshalb, woher kommt der gute Ruf?

00:14:19: Genau, der kam also wirklich über die guten Produkte.

00:14:25: Und über unseren sehr guten Service hier vor Ort, also wir sind sehr offen und dieses einfach sehr Kunden zugewandte und Dinge möglich machen, unkonventionelle Lösungen im Alltag zu schaffen und so.

00:14:43: Das hat uns schnell einen guten Ruf verschafft und das ist bis heute geblieben.

00:14:47: Unkonventionelle Lösung, würde ich jetzt ja mal sagen, das ist ja für mich fast ein anderes Wort für Innovation.

00:14:55: Lass uns mal über unkonventionelle Lösungen reden.

00:14:59: Welche unkonventionellen Lösungen habt ihr damals gefunden?

00:15:03: Zum Beispiel habe ich mich gefragt, wie kam es denn das jetzt in einem Handwerksbetrieb im Salz-Wedeler Altmarktkreis nur Frauen dann direkt gearbeitet haben?

00:15:13: War das ein Zufall oder war das eine unkonventionelle Lösung?

00:15:16: Das war zunächst auch ein Zufall, in dem ich gleich eine Bäckergesellin gefunden habe, also eine Ausgebildete.

00:15:23: mit der ich angefangen habe zu backen.

00:15:26: Im Verkauf ist ja das traditionell, sind ja Frauen und dann wurde mir relativ bald ein Mädchen als Lehrling sozusagen angeboten.

00:15:37: Also die habe ich auch übernommen und dann hat sich, dann war es einfach ein Selbstläufer, dann war irgendwann das, war irgendwie klar, jetzt sind wir hier so ein Mädelsteam, jetzt bleiben wir dabei und dann hat sich das einfach weiter so entwickelt.

00:15:51: Das war keine ganz gezielte Überlegungen im Vorfeld.

00:15:57: Also ich bin jetzt nicht damit losgezogen, habe es auf meiner Fahne geschrieben.

00:16:01: Ich bin schon ganz stark feministisch geprägt, das schon von mir persönlich aus und habe eben in Vorgängerbetrieben, mit denen ich gearbeitet habe.

00:16:11: Ich habe auch kurz mal in konventionellen Betrieben reingeschnuppert.

00:16:14: Da habe ich also zum Teil wirklich sehr üble.

00:16:18: Erfahrung gemacht mit einem mit sehr männlich geprägten Teams und hab gedacht, nee, das passiert mir nicht.

00:16:25: Und ja, so hat sich es jetzt ergeben.

00:16:27: und jetzt jetzt bleiben wir dabei.

00:16:29: Also

00:16:30: es klingt ja total spannend, weil die der Frage nicht hat sich mal jemand dann beworben überhaupt einen Mann bei euch?

00:16:36: oder habt ihr nach quasi nach außen einfach schon immer klar gemacht, das ist jetzt so hier da das ist alle von außen das verstanden haben wie seid ihr mit diesem mit diesem thema umgegangen?

00:16:47: gab es da mal kritik für?

00:16:49: ne da gab es nie kritik für das sind also wir sind das ist so so klar sozusagen für die menschen hier in der region.

00:16:57: das war es war nie ausgesprochen ein thema.

00:17:02: Ich habe eine Zeit lang jemanden gesucht und so offizielle Anzeigen muss ich natürlich männlich, weiblich, divers ausschreiben.

00:17:11: Da habe ich mich natürlich auch an die Spielregeln gehalten.

00:17:14: Aber es hat sich dann eben auch wieder eine Frau gefunden oder zwei Frauen, die jetzt bei uns neu eingestiegen, relativ neu eingestiegen sind.

00:17:21: Was würdest du sagen, ändert das?

00:17:22: Ist das bedeutet, dass im Alltag einfach andere Kommunikation auch mit den Kunden.

00:17:26: oder wo würdest du sagen, zeigt sich das am deutlichsten, dass ihr einfach ein Frau und Team seid?

00:17:31: Ach, ich will jetzt auf diesen Klischees nicht so rumreiten, aber es ist zugewandt, finde ich.

00:17:41: Weniger Konkurrenz orientiert, ist so meine Idee.

00:17:47: Und es geht in Bäckereien manchmal recht raubeinig zu, auch so auf so einer ganz banalen Ebene von zum Beispiel Lärm.

00:17:57: Also man kann ein Blech irgendwie... scheppert auf den Tisch stellen, man kann es aber auch so auf den Tisch stellen, das ist nicht scheppert.

00:18:07: Also unser Material schon da irgendwie, das ist tatsächlich einen Unterschied.

00:18:15: Wenn ich in der Männerbeckerei bin, das ist einfach lauter und insgesamt rupiger.

00:18:23: Es ist sehr klischeehaft.

00:18:24: Ich möchte dann nicht so tief reingehen und ich mache da auch kein großes Thema draus.

00:18:32: Du hebst es jetzt sozusagen ins Bewusstsein als Thema, aber in meinem Alltag halte ich den Ball da flach, weil ich eigentlich finde, es ist nicht sinnvoll, weiter in Polaritäten reinzugehen.

00:18:44: Wir haben genug Polaritäten.

00:18:47: Es ist tatsächlich so, dass Es ist für mich als Chefin, ich bin ja auch ständig gefordert, irgendwie mit meinen Mitarbeiterinnen umzugehen, in Kontakt zu sein, Menschen einzuordnen und so.

00:19:00: Und da ist dieses Kriterium von Unterschied zwischen Mann und Frau einfach schon mal rausgenommen.

00:19:06: Weil natürlich steckt auch in mir in jeder Zelle die Prägung von Männerorientiertheit.

00:19:15: Frauen orientiert groß geworden im Kopf.

00:19:17: Ja, bei der Kopf ist es eine, die Zellen sind der Rest.

00:19:21: Das heißt auch, ich bin nicht gefreit davor, möglicherweise im Alltag, in der, was weiß ich, in der Bezahlung, in der Einordnung von Aufgabenbereichen, einen Mann zu bevorzugen.

00:19:34: Und um diese Falle irgendwie einfach schon mal auszuschließen, als Erleichterung für mein sowieso so schwieriges Chefinen da sein, ist es für mich einfacher in Anführungszeichen nur im Sinne von ausschließlich mit Frauen zu tun.

00:19:47: Du hast gerade gesagt, dein Chefinnensein, wie arbeitet ihr denn so miteinander?

00:19:53: Wie trefft die Entscheidung?

00:19:55: Ist das quasi dann irgendwie, das dann acht Freundinnen?

00:19:57: oder würdest du schon sagen, nee, am Ende ist das schon einfach seit jetzt fast dreißig Jahren, das ist dein Betrieb, den hast du, du hast die Entscheidungen getroffen und du hast die Richtung angegeben?

00:20:07: oder wie läuft das, wenn jetzt sagen wir zum Beispiel... eine Krise ansteht und die Frage ist, wie gehen wir damit um?

00:20:11: oder eine Anstellung steht an oder ein neues Produkt wird getestet oder so.

00:20:15: Wer trifft bei euch Entscheidungen?

00:20:17: Also auf der Alltagsebene haben die Mitarbeiterinnen, die zum Teil wirklich seit Jahrzehnt sind, seit über einem Vierteljahrhundert in ihrem Arbeitsbereich sind, können natürlich ganz oder entscheiden einfach oder setzen mir manchmal auch eine Entscheidung vor die Nase.

00:20:35: Aber natürlich der große Bogen, also eine Entscheidung zu treffen, zum Beispiel damals umzustellen auf die Vier-Tage-Woche oder das Sortiment erweitern und reduzieren oder solche im engeren Sinne unternehmerischen Entscheidungen, die treff schon ich immer im Kontakt.

00:20:55: Ich höre schon irgendwie, was denken ihr dazu oder so.

00:20:58: Aber wir haben jetzt keine Unternehmenskultur.

00:21:03: die was, was ich so so come-together hat, wo irgendwie im Brainstorming irgendwie Leute aus dem Betrieb irgendwie was mit einbringen, sondern das passiert eher am Backtisch oder irgendwie so zwischendurch.

00:21:18: Wir haben also keine so eine Meta-Ebene von Unternehmenskultur.

00:21:24: Wir sind so nah miteinander.

00:21:26: Also ich verbringe ja mit einen Teil der Produktionsfrauen, verbringe ich habe ich mehr Zeit verbracht als mit allen anderen Menschen meines Lebens.

00:21:37: Wir haben so viel Zeit miteinander.

00:21:39: Wir müssen da nicht noch so ein aufgeblasenes Sorry come together haben, sondern das regelt sich.

00:21:46: Wir stehen immer offen und schnacken miteinander und da entstehen halt auch einfach Entscheidungsprozesse.

00:21:52: Aber es ist schon ganz klar so, ich trage die Verantwortung, der Laden gehört mir.

00:21:56: Ich habe also nicht auf einer rechtlichen oder strukturellen Ebene eine Mitsprache.

00:22:05: eingebracht, sondern eher einfach durch unsere Nähe im Kontakt miteinander.

00:22:09: Du hast gerade

00:22:10: zwei Stichworte erwähnt, das eine war diese vier Tagewoche und das andere war dieses reduzierte Sortiment auch.

00:22:14: Lass uns vielleicht mal über das zuerst auf das reduzierte Sortiment eingehen.

00:22:18: Das habt ihr auch irgendwie auf der Website klar, als Faktor benannt zu sagen, wir machen nicht noch Kuchen und Torten und dies und das und jenes, sondern bei uns wird Brot gebacken.

00:22:27: Zumindest so grob habe ich es mir irgendwie notiert.

00:22:29: Wie kam es zu so einer Entscheidung?

00:22:31: Warum diese Entscheidung?

00:22:33: Ja.

00:22:33: Also diese Entscheidung oder beide Entscheidungen, nämlich die ganzen sogenannten feinen Backwaren, das ist der Fachbegriff aus dem Bäckerhandwerk, also Kuchentortenteilchen und so auszuklammern und eben umzustellen, auf eine vier Tage Woche ist.

00:22:48: zugegebenermaßen beides aus der Not heraus entstanden.

00:22:53: Wir hatten die Situation, dass eine Mitarbeiterin einen schweren Verkehrsunfall hatte und für lange Zeit ausgefallen war.

00:23:01: Es war gar nicht klar, ob sie überhaupt zurückkömmen werden.

00:23:05: Eine andere Kollegin ist zeitgleich schwanger geworden.

00:23:08: Und in so einem kleinen Betrieb, wenn zwei Vollzeitkräfte, die total gut eingearbeitet sind, ausfallen, ist das schon ein echter Engpass.

00:23:18: Und da war klar, ich muss schnell reagieren.

00:23:21: Ich kann nicht mal schnell diese beiden Menschen ersetzen.

00:23:25: Und da war klar, wir müssen uns reduzieren, um mit denen, die verblieben sind, irgendwie das zu stemmen und die Zeit zu überbrücken.

00:23:33: Und daraus ist eben sowohl diese Reduktion des Sortiments auf Brot und Brötchen.

00:23:38: weil es einfach auch meinen Herztämen entstanden, als auch die Reduzierung auf eine vier Tage Woche.

00:23:46: Und diese vier Tage Woche, das konnte ich natürlich einführen, weil wir damals schon eine ganz stabile Stammkundschaft hatten.

00:23:56: Also da wusste ich genau, wenn ich das gut kommuniziere und die Menschen, die bei uns einkaufen, mitnehme und gucke, wie kann man irgendwie das umlenken, die fehlenden Tage sozusagen auf die bestehenden Backtage, dann kann man das auffangen.

00:24:12: Und so war es dann auch.

00:24:13: Wir haben tatsächlich bei Umstellung auf vier Tage Woche also praktisch keine Umsatzeinbußen gehabt.

00:24:20: Also das ist schon wirklich bemerkenswert.

00:24:22: Ich glaube über die vier Tage Woche, da müssen wir noch ein bisschen intensiver darüber reden, weil ich habe gemerkt, auch im Gespräch in der Vorbereitung, als ich erwähnt habe, dass ich mit die ja diesen Termin habe und warum und so, habe ich gemerkt, das Thema, das sorgt noch für Verwirrung.

00:24:39: Und vielleicht kannst du erklären, was heißt in vier Tage Woche?

00:24:42: Also wir haben die meisten kleinhandwerklichen Bäckereien, haben ne fünf Tage Woche.

00:24:47: Also es ist ja auf dem Lande noch üblich, dass die Bäcker montags zu haben.

00:24:52: In den Städten haben sie natürlich alle sieben Tage offen.

00:24:56: Wir sind ein so kleiner Betrieb, dass wir jetzt nicht irgendwie so eine rollierende Arbeitsverteilung haben, sodass wir also mehrere Tage abdecken können.

00:25:07: Wir haben tatsächlich den Montag und den Mittwoch geschlossen.

00:25:10: Das heißt, wir haben Backtage am Dienstag, dann haben wir wieder eine Unterbrechung, und dann Donnerstag, Freitag, Samstag.

00:25:17: Das sind unsere vier Backtage und vier Verkaufstage.

00:25:21: Und alle Mitarbeiterinnen haben diese vier Tage Woche, egal in welchem Bereich sie arbeiten, ob sie jetzt backen oder ob sie jetzt verkaufen oder die Vor- oder Nachbereitungen machen, die verbleiben eben in dieser vier Tage Woche.

00:25:34: Wie lange ist so ein Arbeitstag bei euch?

00:25:36: Die Arbeitslage sind natürlich durch den Wegfall dieses einen Backtages umfangreicher geworden.

00:25:42: Die Backtage sind ein bisschen verschieden gewichtet.

00:25:45: Wir haben kleinere und größere, sagen wir mal ganz grob, die Mitarbeiterinnen in der Produktion haben so eine thirty-fünf bis sechsunddreißig Stundenwoche.

00:25:55: und die verteilt sich etwas ungleich auf die Nächte.

00:25:57: Das heißt, wir haben also Nächte, die länger als acht Stunden sind und wir haben auch in der Nacht, die kürzer als acht Stunden ist.

00:26:03: Auch das haben wir natürlich damals abgesprochen und das war aber für alle Frauen okay, weil es ist einfacher, einen Tag etwas länger zu arbeiten als noch einen zusätzlichen Tag sozusagen loszuziehen, also gerade für die Frauen.

00:26:17: die einfach erfahrungsgemäß und statistisch gemäß eben zu Hause immer noch viel mehr Arbeit leisten als die Männer.

00:26:24: Für die ist es natürlich toll, wenn sie noch einen zusätzlichen Tag haben für Kinder, Eltern, Haushalt, Garten, was immer noch zu Hause wartet.

00:26:34: Wenn ich jetzt höre, also wenn ich jetzt mitbekomme, das muss man sagen, ist leider gerade sehr häufig so, dass Betriebe... Probleme haben, dass die Betriebe nicht klar kommen, jetzt auch nach der Corona-Zeit in den Betrieb einstellen.

00:26:46: Und ich kenne es sehr gut, dass ich dann sehr der Betrieb, der hat jetzt weniger auf, also ein Verkaufsladen, ein Gastrobetrieb, die haben jetzt die Streichen, jetzt Öffnungstage, dann ist das immer so.

00:26:57: diese Phase, wo ich denke, oh, den mochten wir ganz gerne, da sollten wir zeitnah mal hingehen, weil wahrscheinlich wird er nicht mehr so lange existieren, muss ich jetzt so ehrlich sagen.

00:27:07: Das sind immer sehr schade.

00:27:08: und jetzt macht ihr schon aber dieses Konzept länger mit weniger Öffnungstagen und es scheint ja bei euch eher ein Erfolgsrezept zu sein.

00:27:17: Warum würdest du sagen, funktioniert es bei euch als etwas, was euch, was sich durchgesetzt hat und gut war im Nachhinein?

00:27:24: Also zum einen eben durch was, was ich vorhin schon erwähnt hatte, durch diese starke Kundenbindung und eine sehr gute Kommunikation, das ist... Eine meiner stärken PR nicht, hast du ja schon gehört, aber Dinge kommunizieren, erklären und wirklich Menschen ansprechen und es vermitteln.

00:27:41: Das heißt, das war eine Möglichkeit, das aufzufangen.

00:27:45: Und dann ist es ja tatsächlich so, dass wir hier einfach einen ländlichen Standort haben.

00:27:53: wo eben auch die Erwartungshaltung gar nicht ist, dass wir sieben Tage offen haben, wie in den Städten inzwischen üblich.

00:28:01: Das passt also auch zusammen.

00:28:05: Und dann besetzen wir natürlich wirklich eine Nische.

00:28:09: Wir sind ja keine irgendwie in Anführungszeichen ganz normale Bäckerei.

00:28:12: Wir haben so viel Extra Buttons und damit Wenn man solche Nischen besetzt, kann man sich einfach auch Dinge leisten.

00:28:24: Das spielt sich in den Städten gerade ab.

00:28:26: Da gibt es ja so innovative junge Bäckereien, die zum Teil was was ich zum Beispiel.

00:28:32: erst am Mittag aufmachen, weil sie nicht nachts arbeiten wollen oder die nur am Wochenende auf haben.

00:28:38: Also das ist gerade ein richtiger Boom.

00:28:39: Ich weiß nicht, ob das bei dir schon mal angekommen ist.

00:28:42: In Sachsen-Anhalt spielt es, glaube ich, nicht so eine Rolle, aber in Berlin gibt es diese, was weiß ich, die Brotkerle oder die Brotpuristen oder die, es gibt so viele junge Leute, die gerade wirklich Bäckerei und handwerkliche Bäckerei in einer Small Version neu erfinden.

00:29:02: Und so ein bisschen ist es bei uns auch.

00:29:04: nur, dass wir schon ein paar Jahrzehnte früher gemacht haben, dass wir eben unseren unseren Sonderstatus mit eigener Vermahlung, mit nur Bio, mit einem guten Service und so nutzen, um zu sagen, aber Leute dafür haben wir reduzierte Öffnungszeiten.

00:29:20: Das ist also total akzeptiert.

00:29:22: Wir haben außerdem, du hattest vorhin gefragt nach diesen etwas unkonventionellen Lösungen, die wir unseren Alltag einbauen.

00:29:30: Auch da muss ich wirklich schmunzeln, weil wir tatsächlich zum Teil da auch dank unserer Kleinheit und Provinzialität Dinge auffangen können, die unsere großen Filialistenkollegen wirklich bewegen, also gerade zum Beispiel Öffnungszeiten.

00:29:48: dieses Ding von Menschen wollen eigentlich rund um die Uhr einkaufen.

00:29:52: Das ist einfach so, das ist einfach.

00:29:54: inzwischen, hat sich das so, gerade junge Menschen sind das gewohnt, dass man ständig auf dem Handy ticken kann und dann kriegt man das irgendwie ins Haus gebracht.

00:30:03: Das können wir ja gar nicht leisten.

00:30:05: Aber wir haben in unserem kleinen Geschäft hier einen kleinen Vorflur und da können die Kunden sieben mal vierundzwanzig Stunden Backwaren rausholen.

00:30:14: Ach,

00:30:14: wie?

00:30:15: Das musst du mir erklären.

00:30:17: Also auch das geht natürlich in der Stadt wahrscheinlich nicht.

00:30:23: Aber wir haben ja relativ eingeschränkte Verkaufszeiten.

00:30:27: Also erst mal sowieso nur diese vier Tage, wie du schon gehört hast.

00:30:30: Dann haben wir auch noch eine Mittagspause.

00:30:32: Freitags haben wir nur überhaupt bis Mittags offen.

00:30:34: Also auch die Öffnungszeiten sind eben sehr eingeschränkt.

00:30:41: Manpower sparen, ja.

00:30:45: Aber es ist problemlos möglich, was weiß ich, wenn jemand außerhalb unserer Öffnungszeiten kommt, zum Beispiel in der Mittagspause oder nach Ladenschluss am Abend oder am Mittag oder wann immer, wenn die vorher Bescheid sagen, dann legen wir das im Flur zurecht.

00:31:01: Was weiß ich?

00:31:01: Frau Müller bestellt zwanzig Brötchen und zwei Vollkornbrote, dann liegt da ein Korb, da haben wir so einen Abstellplatz, da liegt da ein Korb, da steht Frau Müller drauf.

00:31:12: Man holt die sich das raus, die Tür ist offen und entweder bezahlt sie es später bei uns oder hinterlegt das Geld einfach.

00:31:20: Das ist das, was meine modernen großen Kollegen momentan mit diesen Verkaufautomaten machen.

00:31:28: Das ist hier sicherlich auch schon mal untergekommen.

00:31:30: Es gibt ja in verschiedenen Branchen mit viel technischem Aufwand, mit sehr viel Geld, was da investiert wird und sehr viel Aufwand.

00:31:39: Das haben wir sozusagen dank unserer professionellen Lage können wir das auf dem Ganzen.

00:31:45: Low-Level-Lösung machen, indem wir es einfach in den Flur legen und die Leute, das ist jetzt vielleicht nichts, was man in den Podcast mit rein nimmt, die legen einfach dann ein Zehner hin oder ein Zwanziger oder auch mal ein Fuffi.

00:31:57: Der liegt da oft stundenlang offen rum.

00:31:59: Passiert nichts.

00:32:00: Wir sind auf dem Lande.

00:32:02: Ich habe jetzt vorhin das Stichwort Mut ganz stark rausgehört.

00:32:04: Jetzt höre ich auch ganz stark das Stichwort Vertrauen daraus.

00:32:07: Absolut,

00:32:08: absolut.

00:32:09: Das legen wir einfach dahin.

00:32:11: Und auch dieses, auch das so eine in Anführungszeichen Innovation.

00:32:16: Es ist ja inzwischen, obwohl die Deutschen ja ihr Bargeld lieben, ist natürlich auch in Bäckereien längst das bargeldlose Zahlen irgendwie eingezogen.

00:32:26: Vielleicht auf dem Lande noch nicht so stark wie in der Stadt, aber man kann ja jedes Brötchen, jeden Kaffee natürlich mit dem Handy kaufen.

00:32:34: Auch das haben wir nicht, aber Bei uns kann man problemlos ohne Geld einkaufen.

00:32:39: Wir kennen alle unsere Kunden.

00:32:41: Wir haben eine ganz feste und sehr große Stammkundschaft.

00:32:45: Und wenn jemand reinkommt, morgens kommt der Herr Meier rein und sagt, oh Mensch, ich habe kein Geld dabei, kein Problem.

00:32:51: Dann wird das einfach aufgeschrieben.

00:32:52: Also das klassische Heft, was es früher mal gab, wo man einschreiben kann.

00:32:59: Das ist wirklich eine echte Dinosaurierlösung.

00:33:03: eben, das kann man natürlich nur machen, wenn man eben so eine kleine Nische übersetzt, wenn man ein kleiner Betrieb ist, wenn man eine starke Kundenbindung hat.

00:33:11: Und das ist eben der unglaubliche Schaum von so einem kleinen Betrieb.

00:33:16: Das schätzt mich einfach sehr.

00:33:17: Wenn ihr auf der einen Seite einen so kleinen Stamm habt, an Kunden, dass ihr euch das wohl damit fühlt, mit so viel Vertrauen zu arbeiten und auf der anderen Seite hast du auch gesagt, ihr seid langsam gewachsen, ihr seid jetzt kein schrumpfender Betrieb, ihr seid nicht... Ich höre jetzt nicht raus, dass wenn du in den Ruhestand gehst, du froh bist, den Laden endlich dicht machen zu können, weil eh ja niemand kommt.

00:33:42: Dann frage ich mich ja, ist eure Preisstruktur so, dass das quasi darüber ausgeglichen wird?

00:33:49: Oder wie kommt es, dass ihr ein wachsender Betrieb sein könnt bei einer Kundschaft, wo du sagst, am Ende vertraue ich denen, dass die auch mal irgendwie dann halt anschreiben dürfen oder so?

00:34:01: Wie geht das wirtschaftlich auf bei euch?

00:34:03: Ach, da sprichst du natürlich ein Thema an.

00:34:05: Also erstmal natürlich durch unsere schlanken Strukturen, also ein schlankes Sortiment und auch die Befreiung in Anführungszeichen von feinen Backwaren ist einfach wirklich eine Gesundung für einen kleinen Betrieb.

00:34:21: Also ein sehr aufwendiges Sortiment.

00:34:23: ist eben auch wirklich wirtschaftlich viel schwerer zu halten.

00:34:27: Da gibt es immer Produkte, die sich sozusagen gegenseitig stützen.

00:34:31: Und die Produkte, die gestützt werden müssen, das sprich also feine Backwaren, die haben wir ausgeklammert.

00:34:37: Und auch unsere Logistik, wo fahren wir hin?

00:34:39: Wir haben kein Filialwesen.

00:34:41: Wir haben wirklich nur unser Stammgeschäft und eben ansonsten wieder Verkäufer und Märkte.

00:34:48: Also wir sind Man soll sich ja vielleicht nicht so selbst loben, aber wir sind in dem kleinen Rahmen, den wir haben, sind wir effektiv, würde ich sagen.

00:34:58: Würdest du sagen, du bist erfolgreich als Unternehmerin?

00:35:01: Ja, würde ich schon sagen.

00:35:02: Also mit dem Wort Unternehmerin kann ich mich auch nach so vielen Jahrzehnten nicht anfreunden.

00:35:11: Der ist mir fremd.

00:35:12: Ich komme aus einem ganz anderen Umfeld, aus einer ganz anderen Szene.

00:35:16: Ich bin da so reingeschlittert.

00:35:21: Aber doch, erfolgreich bin ich schon, so fühle ich mich.

00:35:25: Ich habe auch sehr viel positive Rückwirkungen.

00:35:29: Meldung einfach von Kundenseite und höre natürlich jetzt, wo ich langsam über sechzig rutsche, einfach oft, oh Mensch, hoffentlich bleiben sie noch lange und so.

00:35:39: Also das ist einfach wirklich toll, wie treu unsere Kunden sind.

00:35:42: Und wir haben ja inzwischen längstens die nächste Generation.

00:35:46: Also die, die ich damals, als ich hier angefangen habe, die dicke Bäuche waren, haben inzwischen selbst schon Kinder.

00:35:52: Ich habe ja inzwischen längst die Enkelkindergeneration hier stehen als Kunden.

00:35:58: Ist schon in Planung, ob dann jemand aus deinem Betrieb den Betrieb irgendwann mal übernehmen wird, denkst du über so was nach?

00:36:03: Ja, also aus meinem Betrieb heraus wird das keine übernehmen können.

00:36:09: Ich denke darüber nach und es ist es ist die Kretchenfrage für viele Betriebe meiner Branche und ich sehe eben leider viele Betriebe zumachen und da muss echt ein Nachfolger noch vom Himmel fallen.

00:36:25: Also ich habe noch keine wirkliche Idee und muss gestehen.

00:36:29: Ich schließe da auch so ein bisschen die Augen davor.

00:36:32: Also, wie ich dich jetzt bisher erlebt habe, wird es wahrscheinlich, wie war das nochmal mit den praktischen Lösungen oder so, oder den den den ungewöhnlichen Lösungen.

00:36:40: Ich bin da total gespannt, ob du da eine ungewöhnliche Lösung hast.

00:36:44: Du, ich habe so ein bisschen so Deus Ex Machina, ich habe so ein bisschen das Gefühl, eines Tages klingelt jemand.

00:36:50: und steht vor der Tür.

00:36:51: Das ist auch ein bisschen naiv, aber ich habe nie wirklich so ganz bewusste Weichen gestellt, sondern es hat sich alles irgendwie immer im Prozess ergeben und darauf hoffe ich jetzt auch ein bisschen.

00:37:01: Ich selbst bin noch sehr fit, habe noch immer große Lust zu backen und werde das schon noch ein paar Jahre machen, aber klar muss man vordenken.

00:37:10: Im Handwerk insgesamt ist es tatsächlich so, dass einige Branchen Betriebe lassen sich sozusagen gut weitergeben, also Kfz und Installateur und so.

00:37:21: Da gibt es tatsächlich Menschen, junge Meister, die gezielten Betriebs Suchen zur Übernahme, zum Kauf oder was immer es da Verlösungen gibt.

00:37:30: Bäckereien gehören tatsächlich nicht dazu.

00:37:32: Das sind eher wirklich... Das hat mir auch die Handwerkskammer bestätigt, die Betriebe, die in Schlüssel rumdrehen.

00:37:39: Wir

00:37:39: machen jetzt auch ein bisschen den Aufruf an dieser Stelle zu sagen, wir suchen eine Bäckermeisterin, eine angehende Bäckermeisterin, die vielleicht in den nächsten Jahren Lust hat, bei euch mal reinzuschnuppern, weil ich finde, das klingt ja erst mal nach einem ganz spannenden Betrieb, den ihr da habt.

00:37:56: Es ist ein gemachtes Nest, Jan.

00:37:58: Es ist wirklich ein gutgehender Betrieb und es gibt so viele Möglichkeiten, das auszubauen.

00:38:04: ist es, da kann auch ein Mann daher kommen.

00:38:08: Also ich meine, es gibt nicht so viele Bäckermeisterinnen, aber da habe ich jetzt, ich habe keine Befindlichkeiten, ich habe keine, es gibt Probleme mit Männern, überhaupt nicht.

00:38:18: Also das würde ich jetzt nicht auf die Fahne ganz vorne drauf schreiben.

00:38:24: Aber wenn es jemand ist, der einfach wirklich genau so einen kleinen, charmanten Betrieb irgendwie liebt, Und da muss man jetzt wirklich sagen, wenn ich irgendwie höre, was in den Städten los ist, an Kampf um Wohnraum, da kann ich nur sagen, Leute kommt in die Altmark.

00:38:39: Es ist ein so wunderbares Leben.

00:38:42: Man hat wirklich so viel Platz.

00:38:44: Es gibt so immer noch wirklich total günstige, wunderschöne Möglichkeiten zu wohnen und Immobilien zu erwerben oder zu mieten und so.

00:38:53: Also ich wundere mich, dass da nicht irgendwann das Pendel mal zurückschlägt.

00:38:58: Ich finde das ein wunderschönes Pädagogie für die Altmark.

00:39:00: Das heißt, du wirst nicht zurück nach Mainz gehen irgendwann mal, sondern du siehst dich in der Altmark auf Dauer.

00:39:06: Ich sehe mich in der Altmark auf jeden Fall, genau.

00:39:09: Ich bin inzwischen so vernetzt hier und habe in meinem Leben noch nie so viele Jahrzehnte an einem Ort verbracht.

00:39:16: Und ich denke, dass ich hier bleibe.

00:39:18: Aber das ist wirklich ein Blick nach vorne, den ich noch nicht habe.

00:39:25: Bist

00:39:25: du ein Mensch, der hier und jetzt ist?

00:39:27: Ja, sehr, sehr.

00:39:28: Ich bin sehr alltags in Routine gebunden und deswegen ja auch mein Vorbehalt im Gespräch mit dir.

00:39:35: Ich bin halt nicht die Ideensprudlerin.

00:39:39: Ich bin überhaupt kein innovativer Mensch, sondern ich lass mich tragen von dem, was passiert und entscheide dann im in dem Moment, der mir zugetragen wird.

00:39:50: Also ich bin nicht dieser sprudelnde Mensch, der sagt, oh, das ist meine Vision oder so, das ist wirklich kein Wort aus meinem Wortschatz.

00:39:59: Ich finde das eigentlich ein sehr schönen Gedanken, um zu sagen, lass uns doch mal, also ich würde jetzt sagen, du bist total innovativ, aber das muss ich ja, vielleicht muss ich das ja auch sagen oder so, aber ich würde sagen, wir sollten vielleicht eine Abstimmung machen, wenn wir diese Folge veröffentlichen und dann trage ich dir das Ergebnis per E-Mail oder so zu.

00:40:18: und wir gucken mal, was die Menschen daraus denken, weil ich kann mir vorstellen.

00:40:23: dass die meisten sich sehr einig sind, so wie du es beschrieben hast.

00:40:26: Nur vielleicht hängt es auch an den Worten.

00:40:28: Du hast ja selber gesagt, du machst keinen PR, du machst Kommunikation.

00:40:33: Und das nehme ich total mit aus dem Gespräch, dass man nicht immer sich... an den großen Worthülsen aufhängen sollte, sondern gucken sollte, worum geht es denn genau?

00:40:43: Und das ich raushöre bei euch geht es um gute Produkte und um einen guten Umgang mit den Kundinnen und Kunden.

00:40:49: Und da können sich wahrscheinlich viele Menschen, die Unternehmen, Staaten auch oder im Laufen haben, noch irgendwie was abgucken, oder?

00:40:56: Ja, also das hoffe ich.

00:40:58: Und nochmal gerade Reflex auf deinen Statement eben.

00:41:03: Mir geht es eben auch um... den Umgang untereinander bei den Mitarbeiterinnen oder bei allen, die hier mitarbeiten.

00:41:14: Also ich denke zunehmend mehr aus deren Perspektive auch.

00:41:20: Also das ist so ein Betrieb, der macht ja nicht nur schöne Produkte und geht damit nach außen, sondern der bietet ja einfach wirklich schöne Arbeitsplätze.

00:41:29: Und zwar sehr... sehr, also gerade auf einer sinnlichen Ebene, geradezu sehr verbundene Arbeitsplätze.

00:41:37: Ich habe ja dieses etwas ungewöhnliche Konzept, dass ich für jeden Arbeitsplatz sozusagen oder für jeden Aufgabenbereich eine Mitarbeiterin habe.

00:41:50: Das hat den großen Vorteil, dass wir keinerlei Reibungsverluste haben.

00:41:54: Das heißt, die muss sich jetzt nicht mit in verschiedenen Schichten abstimmen, mit derjenigen, was weiß ich, die sonst die Teil gemacht, die sonst am Ofen steht, die sonst im Verkauf geht, sondern die ist jeweils an ihrem Arbeitsplatz Königin.

00:42:07: Und das macht natürlich zum einen, dass innerhalb des Teams es praktisch keine Konflikte geben kann, weil man kann sich nicht gegenseitig in die Suppe spucken, weil jeder hat ihre eigene Suppe und ist da die absolute Fachfrau.

00:42:20: Das hat ein Riesenvorteil und macht ein ganz hohes Niveau an Zuverlässigkeit.

00:42:25: Hat natürlich einen enormen Schwachpunkt, in dem wenn die Frau fehlt, immer nur ich einspringen kann.

00:42:32: Das heißt, ich habe in den letzten Jahrzehnten wirklich sehr oft für zwei und drei gearbeitet.

00:42:36: Das ist natürlich eine echte Schwachstelle.

00:42:38: Insofern würde ich dieses Konzept nicht unbedingt als Vorbild an einen möglichen Nachfolger weitergeben, aber ich finde es trotzdem immer noch sehr charmant.

00:42:50: Absolut.

00:42:50: Klingt auch nach einer sehr guten Lösung für die kleinen Probleme, die woanders wahrscheinlich einen großen Namen hat, eine größere Konzeptbeschreibung, aber bei euch ist es einfach eine gute Lösung.

00:43:03: Ja, es ist eine gute Lösung und es macht halt wie gesagt eine sehr gute Kontinuität und es macht natürlich eine unglaublich starke Identifikation mit dem eigenen Arbeitsplatz.

00:43:15: Wenn man irgendwie weiß oder wenn Frau in dem Fall weiß, Ich bin die Teigmacherin, ich bin die Frau am Ofen.

00:43:23: Und wenn ich nicht da bin, dann wird es schwierig, dann wird es eng in den Betrieb und ich bin diejenige, die hier die Entscheidungen trifft, ob sie den Ofen irgendwie zehn Grad höher oder niedriger stellt und so.

00:43:33: Und sprecht das gegebenenfalls eben mit mir als Chefin ab oder so, aber das ist wirklich ein tolles Konzept.

00:43:43: Auch das hat sich, es ist eben kein Konzept.

00:43:45: Es hat sich einfach ergeben und total bewährt.

00:43:51: Was denkst du?

00:43:53: Ist das, was du gehört hast, Innovation oder etwas anderes?

00:43:58: Schreib es uns doch bei LinkedIn oder Instagram unter dem Post zu dieser Folge.

00:44:04: Und wie sieht es bei dir aus?

00:44:05: Wie gehst du mit Problemen um?

00:44:07: Bist du alleine oder mit anderen an einer Idee dran, die das Leben der Menschen um euch herum besser macht?

00:44:14: Hast du Fragen dazu, wie du

00:44:16: oder ihr euer Vorhaben stabilisieren

00:44:18: und finanzieren könnt?

00:44:20: Da schreib eine Mail.

00:44:21: an beratungetzigusa.de und wir unterstützen dich gerne.

00:44:25: Ich hoffe, das Gespräch hat dir gefallen.

00:44:27: Bis zum nächsten Mal, bei Sigusa.

00:44:29: redet mit.

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